SA
09.11

Neustadtl/Donau | Be(t)reutes Wohnen - Premiere



Die Pfarrbühne präsentierte heuer die wahnwitzige Farce „Be(t)reutes Wohnen?“ von Wolfgang Bräutigam in der bewährten Regie von Edith Weichinger - erstmals in der Neuen Mittelschule.

Bei so viel Umtriebigkeit in der Senioren-WG sind ob so mancher (Not)Lügen Verwechslungen unvermeidlich und vorprogrammiert. Ein heilloses Durcheinander mit Verdächtigungen und falschen Anschuldigen, die auch das Publikum mit einbeziehen und es manchmal ganz schön verwirren, begeistern es schlussendlich ob der Situationskomik  und reisst es zu herzlichen Lachsalven hin.

Franz Krüger (Herbert Kassberger) und dessen Freund Karlheinz Schmucker (Markus Strauss), zwei rüstige Pensionisten, sind stets auf der Suche nach einer geldbringenden Idee. Dabei sind die beiden nie um gute Ideen verlegen. So wollen sie an der immer älter werdenden Bevölkerung mitverdienen und mieten dazu ein größeres Haus, um dieses dann teuer an mehrere Bewohner für eine Rentner-WG weiterzuvermieten. Damit will man sich einen mietfreien Altersruhesitz sichern. Karlheinz erhofft sich zudem nicht nur die Pflege im Alter, sondern auch eine Zugehfrau für die Hausarbeit. Für Franz war die Versorgung des Haushalts wichtig. Die Mitbewohnerinnen sind auch schnell gefunden. Vom Inserat fühlten sich die beiden älteren Witwen Luise Schmidt-Heilmann (Claudia Aigner), eine frühpensionierte Lehrerin, und Agnes König (Anna Schmutz), eine einfache Hausfrau, angesprochen. Komplettiert wird die Rentner-WG durch das Ehepaar Emilie (Heidi Hochhuber) und Otto Kaiser (Wolfgang Grafeneder), wobei er sich als wohlerzogener Pantoffelheld entpuppt.

Doch die Pläne von Franz und Karlheinz werden ein Reinfall. Denn Luise emanzipiert mit ihren demokratischen Haushaltsregeln ihre weiblichen Mitbewohner. Eine Münze entscheidet letzendlich über die Hausarbeiten und trifft voll die Männer, was Otto im Gegensatz zu den anderen Männern nicht großartig belastet. Die erwartete Pflege fürs Alter ist auch nicht in Sicht, so dass Karlheinz einfach einen gefälschten Antrag auf Pflegestufe 3 stellt. Dummerweise steht gleich eine Prüfung durch die zuständigen Stellen ins Haus. Franz inseriert mit Hilfe seines Neffen Michael Krüger (Gerald Wagner) in einer Tageszeitung für eine junge Zugehfrau. Dieser Internet-Profi gibt das Inserat per PC auf. Durch ein Versehen wird das Inserat nicht in der Rubrik Stellenmarkt, sondern in der Rubrik Beziehungen veröffentlicht. Von seiner Freundin vor die Tür gesetzt, kommt Michael mit seinem Hamster Susi zu Besuch, nicht wissend, dass Haustiere gegen die Hausordnung verstoßen. Da dieser Nager krank ist, bittet er die Tierärztin (Ruth Schmutz) zum Hausbesuch. Luises Tochter, Susanne Erdmann (Julia Jetzinger), hat im Alter von 40 Jahren endlich geheiratet. Doch noch während der Flitterwochen steht sie mit dem Koffer vor der Tür, weil ihr stotternder (= wortverzögender) Ehegatte Dieter (Michael Schwarz) sie angeblich mit dem Zimmermädchen im Hotel in Venedig betrogen haben soll. Dieter lässt nicht lange auf sich warten, Franziska Waldmann (Regina Krahofer) vom Begleitservice Honeymoon kommt auf das falsche Inserat, die Tierärztin Grüner wird mit der Prüferin Claudia Schreiner (Marina Temper) von der Behörde verwechselt und Karlheinz hat entgegen der Hausordnung ungewollt eine WG-interne zwischenmenschliche Beziehung. Da ist das Chaos wahrlich vorprogrammiert!

Regisseurin Edith Weichinger hat einmal mehr ein goldenes Händchen bewiesen: zum einen mit der Wahl dieser grandiosen Verwechslungskomödie, zum anderen mit dem Ensemble und der Rollenverteilung und zuletzt auch mit dem Meistern der neuen Herausforderungen bzw. Möglichkeiten, welche der neue Spielort hinsichtlich Akustik, Licht- und Tontechnik mit sich bringt. Die Simultanbühne mit Wohnküche links und Wohnzimmer rechts fand besonders großen Anklang. Der Wortwitz, so manche Dialoge, die Pointendichte sowie der 5 oder 10%-ige „Pfarrbühne-Kreativ-Aufschlag mit Lokalkolorit“ garantieren schon jetzt einen großen Erfolg. Die Harmonie der Darsteller untereinander und die leidenschaftliche Spielfreude kommen nach nur wenigen Szenen beim Publikum an, was stimmungsmäßig einem Heimspiel der regionalen Fußballmannschaft bei einem Derbysieg gleichkommt. Was es mit dem „Alzheimer-Plattler“ auf sich hat und warum der „kleine beste Freund“ eines Senioren eine tragende Rolle spielt, sei hier nicht verraten. Nur so viel, dass Eifersucht schneller wirkt als Ratiopharm. Wenn es im realen Leben beim Älterwerden nur halbwegs so lustig ist, wie auf der Bühne, dann freuen wir uns schon jetzt auf die Pension.

Gespielt wird noch bis zum 17.11.2019 in der NMS, am 15. und 16.11. jeweils um 20:00 h und an den beiden Sonntagen am 10. und 17.11.2019 bereits um 14:00 h. Einige Restkarten gibt’s noch Kaufhaus Zeilinger.

Weitere Infos unter www.pfarrbuehne.at.

Babsi Zeitlhofer & Didi Rath
 
Published: 09.11.2019 - 23.45