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29.03

Viehdorf | Theatergruppe Viehdorf - Liebeslust und Wasserschaden



Regisseur Heinz Jandl inszenierte heuer die aberwitzige und rasante Komödie "Liebeslust und Wasserschaden" von Hans Schimmel mit einem außergewöhnlich spielfreudigen Ensemble im Pfarrsaal.

Wahnsinn, was die Laientruppe rund um Obmann Franz „Patschi“ Eder da wieder auf die Beine gestellt hat. Schauplatz dieses unterhaltsamen Dreiakters ist die Wohnung des ledigen Lohnbuchhalters Sigi Klein (Jürgen Fichtinger), der äußerst penibel, pedant und vor allem besonders reinlich ist. In seinem scheinbaren Wolkenkuckucksheim verdunkeln sich rasch die Wolken, als ihm seine Schwester Rita (Greti Schwaiger) ihre lebensfrohe, chaotische und ausgeflippte Freundin Katrin Niedlich (Karin Maderthaner) als Gast aufdrängt, da in ihrer Wohnung ein Wasserschaden aufgetreten ist. Ohne Vorwarnung quartiert sich diese ein und nimmt seelenruhig ein Bad. Ebenso ohne Voraviso hat die Vermieterin und Nachbarin von Sigi, Maria Schmidt (Michaela Menk) Handwerker beordert, welche die Wohnung zügigst sanieren sollen. Zu allem Überdruss taucht auch noch der etwas schrullige Freund von Sigi, Karli Kurz (Rupert Gruber) auf, der sich gerade verändern und selbst finden will und Karli bei all dem Chaos nicht wirklich eine Stütze ist. Als dann tatsächlich auch noch die Handwerker eintreffen, nimmt das Unheil seinen Lauf. Als Elektro-Duo brillieren der hungrige Chef von Krumm & Schief Peter Krumm (Franz Eder) und sein lispelnder Mitbesitzer Fredi Schief (Martin Wenko) sowie als akzentuiertes Installations-Duo von Schreck & Schraube die Inhaberin Olga Schreck (Maria Affengruber) und ihre Mitbesitzerin Magda Schraube (Alexandra Affengruber). Während ersteres Duo gar nicht mit Leitungen unter Putz gerechnet hat und auch sonst nicht mit Kompetenz und Tempo glänzt, hat das zweite Duo eher die männlichen Kunden im Blick, als die Heizungsrohre. Running-Gag ist der dichtende Postbote (Peter Drozda), der mit seinem Scooter durch den Saal rollt.

Regisseur Jandl ist es einmal mehr gelungen, aus jeder Darstellerin und jedem Darsteller das Optimale herauszuholen. Die ungebrochene Spielfreude jedes einzelnen, die Leidenschaft auf der Bühne zu stehen und „ihr“ Publikum bestmöglich zu unterhalten, verbindet alle. Jandl spielt lässig mit Klischees, setzt auf bodenständigen Humor und lässt auch den Geschlechterkampf - vor allem unter den Handwerkern – bestens einfließen. Wenngleich jede/r Einzelne, also auch die vielen Helferlein hinter der Bühne, einen wesentlichen Beitrag am Erfolg dieser Produktion mit-tragen, so ist doch Jürgen Fichtinger die tragende Säule dieses Stücks. Nicht umsonst spielt er die Hauptrolle, also jenen Part mit dem meisten Text und viel Platz gleichermaßen für Tragik und Humor. Sein körperlicher Einsatz, sein Gesichtsausdruck und seine Gestiken mit Armen, Händen und Kopf grenzen schon fast an einen fleischgewordenen Comic-Strip. Fairerweise muss hier auch Franz Eders Stromschlag erwähnt werden, in welchem er gefühlte zwei Minuten ebenfalls an seine Grenzen geht. Alles in allem also wieder einmal eine gelungene Theateraufführung, die begeistert und mehr als zwei Stunden lachend die Sorgen des Alltags vergessen lässt.

Gespielt wird zwar noch bis zum 13. April, doch ob des tollen Feedbacks sind alle Vorstellungen leider schon ausverkauft.

Didi Rath