FR
22.03

Amstetten | Kammerhofer Premiere - Offline



„Do hot’s wos!“, wenn DER Computer auf DIE Software trifft. Und auch beim 9. Soloprogramm glänzt der Local Hero aus St. Peter in der Au mit einem Stück, das irgendwo zwischen Ganovenkomödie und Kabarett einzuordnen ist, sicherlich aber ein Er-Volks-Stück wird.

Zum einen lässt uns der gar nicht so technikaffine Walter tief in seine Seele blicken und zum anderen geht der gewichtige Unterhaltungsprofi einmal mehr an seine körperlichen Grenzen - also gibt er neuerlich psychisch wie physisch 100 %. Soll heißen, dass er zwar alleine auf der Bühne steht, doch einmal mehr in verschiedene Rollen schlüpft: vom unfreiwilligem Bankräuber Rudi Derflinger über die Bankassistentin Tussi (Du-Sie) bis hin zum echten Verbrecher Ernst, zu Bankdirektor Konrad und seiner Frau Elvira.

Aber alles von Anfang an! Eigentlich wollte der Rudi, Bausparkassenkunde der ersten Stunde, in seiner ländlichen Bankfiliale einfach nur Geld abheben. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als  man denkt. Denn der Rudi ist lediglich ein Opfer der Technik! Und so ist nichts, wie es scheint, nichts bleibt, wie es ist und nichts kommt so, wie man denkt. Rudi tappt von einem Missgeschick ins andere  und eine Verkettung von Missverständnissen sorgt für Überraschungen. Bei Walter ging es ja schon bei der Geburt los, wo ihm die Hebamme die Nabelschnur mit einer stumpfen Schere abtrennen wollte, der erste Teddybär versagte und später auch der erste elektrische Rasierer. Kein Wunder, dass Walter auch im späteren Leben mit der Technik auf Kriegsfuß steht. Doch wie es ihm im weiteren Leben mit Sprachassistentin Alexa, seiner Smart Home-Haustüre mit Fingerprint oder seiner Smart Watch mit automatischer Verbindung zum Roten Kreuz und vor allem mit seinem Stand-PC ergeht, erfährt man im Stück immer nur dann, wenn dem Licht- und Tontechniker Clemens das Programm abstürzt und nichts mehr geht - dann muss der Walter improvisieren und da bleibt ebenso kein Auge trocken, als wenn Rudi mit einer schwarzen Haube und einer Spielzeugpistole Geld abheben will.

Schuld an dem ganzen Dilemma ist einmal mehr die Schwierigtochter vom Rudi, die partout nicht will, dass ihr Sohn mit einer Waffe spielt. Und weil er diese umtauschen muss, hat er sie auch in seiner Aktentasche mit dabei, wenn er Geld abheben will. Dass die schwarze Haube Mottenlöcher hat, sein langjähriger Bankberater unerwartet verstorben ist und der weibliche Banklehrling streng nach Vorschrift einen Ausweis verlangt, bringt das Unheil zum Laufen. Somit bestätigt sich einmal mehr: „Es schaut ned so aus, wie es is!“

Das neue Solo strotzt nur so von temporeichen Pointen und die Autoren haben in dieser Kriminalfarce wirklich nichts ausgelassen: man erfährt wie die Katze zum Spitznamen „Captain Hook“ kommt, was das ultimative Geschenk für die Ehefrau zum 25. Hochzeitstag ist, dass DER Computer zwar simpel gestrickt ist, aber DIE Software dafür allerhand Schnick-Schnack braucht, dass man(n) nicht alles in sich hineinschütten muss, selbst wenn es bei einer Scheidungsparty nichts kostet, dass ein Defibrillator keinen Unterschied zwischen Herzinfarkt und Vollrausch macht, dass sich Online Dating-Seiten auch irren können und wie das Nordic Walken zur Trendsportart wurde. Letztendlich siegt aber die Erkenntnis, dass das Eis zu dünn für zwei ist!

Der unermüdliche Einsatz von Walter Kammerhofer wurde mit frenetischem Applaus der Premierengäste belohnt und zwar von den Strapazen gezeichnet, bleibt ihm zum Schluss nur ein verschmitztes Lächeln über und er sagt: „Man sieht sich!“ Wo und wann erfährt ihr online unter www.kammerhofer.org.

Babsi Zeitlhofer & Didi Rath