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10.11

Waidhofen/Ybbs | Die Kaktusblüte - Premiere



Die Waidhofner Volksbühne präsentierte in der Regie von Uschi Nocchieri die Komödie "Die Kaktusblüte".

Zahnarzt Julius (Michael Elsner) ist ein Schlaucherl, was seine Liebschaften und seinen Beziehungsstatus angeht. Was die Damenwelt anbelangt, lässt er nichts anbrennen. Um jedoch dabei nicht zu verbindlich zu wirken und sich immer eine Hintertür freizuhalten, gibt er vor verheiratet und Vater dreier Kinder zu sein. Dies geht solange gut, bis er die fesche und jüngere Antonia (Heidi Wunderer) besser kennen und lieben lernt. Nachdem es ihn aber diesmal ganz schön erwischt hat, kommt er ob ihrer Moralvorstellungen gehörig durcheinander, wirft seine Prinzipien über Bord und lässt sich in einem emotionalen Anflug sogar zu einem Heiratsantrag hinreißen. Antonia ist überglücklich darüber, stimmt ein, will aber zuvor alles in geordnete Bahnen bringen und das Einverständnis der vermeintlichen Ehefrau einholen, was Julius ganz schön in Bedrängnis bringt. Um nicht gänzlich sein Gesicht zu verlieren und seine Schutzbehauptung aufzugeben, muss rasch eine Frau her. Diese hofft er in seiner schüchternen Sprechstundenhilfe Stephanie (Karin Komatz) zu finden, ohne zu bemerken, dass dieses Mauerblümchen schon seit Jahren in ihn verschossen ist. Trotz aller Bedenken lässt diese ihren Chef nicht hängen und so kommt, was kommen muss: neue Lügen sind unvermeidbar und das Chaos nimmt seinen aberwitzigen Lauf. Das Karussell neuer Lügen dreht sich schneller als allen lieb ist und Freunde (Otmar Pils als Norbert) und Nachbarn (Max Bernreitner als heißblütiger Latino) sind nicht ganz unschuldig dabei, alles noch mehr zu verkomplizieren. Bei all den Wirrungen blüht Stephanie auf, wie eine Kaktusblüte, anfangs noch stachelig und verhalten, letztendlich aber einfach sanftmütig und glücklich. Als Frau von und zu Hollenstein und als als flotte Putzfrau zu sehen ist Margit Stowasser.

Uschi Nocchieri ist es abermals geglückt aus dem großen Angebot an schauspielfreudigen Gelbhemden die richtige Besetzung zu casten und jede/n einzelne Darsteller/in zu fördern und zu fordern. Herausragend ist die zierliche Karin Komatz, welche in der Verwandlung vom hilfsbereiten Duckmauserl zur verliebten Ehefrau brilliert. Dank der erstmaligen technischen Unterstützung mit Headsets und Mikro kommt auch ihre zarte und doch impulsive Stimme bestens zur Geltung. Aber auch Heidi Wunderer besticht schauspielerisch und gewinnt das Publikum rasch mit ihrem einmaligen Augenaufschlag. Der Einfall, den hilfsbereiten Nachbarn als Latin Lover mit Akzent sprechen zu lassen, ist die Sternstunde für Max Bernreitner. Den dentistischen Womanizer verkörpert Michael Elsner ebenso fulminant, wie Otmar Pils den cowboyähnlichen Rüpel Norbert. Und die im Ybbstal bekannte und geschätzte Margit Stowasser hat in der Verkörperung der gesellschaftlichen Ober- und Unterschicht - auch ohne viel Text - die Lacher auf ihrer Seite. Alles in allem wieder eine Vorzeigekomödie der Volksbühne, die 2018 bereits ihr 65-jähriges Bestehen feiert, und ein Meisterstück herzhafter und kurzweiliger Unterhaltung abliefert. Und weil die bezaubernde Theater-Koryphäe und kreative Regisseurin Uschi Nocchieri gleichermaßen beim Ensemble wie beim Publikum so gut ankommt, darf sie auch im nächsten Jahr bei den Schlosshofspielen wieder inszenieren. Am Spielplan steht dann „Romeo und Julia“ in der Bearbeitung von Michael Niavarani.

Gespielt wird noch bis zum 25.11.2017 im Plenkersaal, jeweils um 20:00 h. Karten gibt’s im Tourismusbüro Waidhofen/Ybbs oder online hier.

Waidhofner Volksbühne


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3340 Waidhofen/Ybbs