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09.11

Amstetten | 1. Amstettner Zukunftsforum



Die ÖBB luden in Koopertion mit der Plattform für Innovationsmanagement und der Zukunftsakademie Mostviertel in Die Remise ein um sich dem Zukunftsthema "Digitale Transformation - Neue Formen der Unternehmenskultur und die Dimension der Mobilität" zu stellen.

Beim Kick-off zum „Future Hub“ in der Amstettner Remise konnten hochkarätige Redner gewonnen werden, denen allesamt die Zukunft der Wirtschaftsregion am Herzen liegt. Längst glaubt man nicht mehr, dass die Zukunft irgendwann kommen wird, sondern, dass diese längst begonnen hat. Industrie 4.0 bzw. Digitalisierung 4.0 verändert schon jetzt unsere Arbeits- und Lebenswelten. Umso naher liegender ist es, jetzt die Chancen dieser Veränderung zu erkennen und diese zu nutzen und umzusetzen. Die Nutzung als Future Hub für Arbeits-, Forschungs- und Bildungsinnovationen, Co-Creation Labs und Startup-Industry-Kooperationen kann den Standort nachhaltig attraktiveren.

Nach der Begrüßung durch DI Gerald Steinwender (gf. Obmann der Plattform für Innovationsmanagement) und Mag. Rosemarie Pichler (Projektmanagement der Zukunftsakademie Mostviertel) eröffneten Dr. Andreas J. Ludwig (CEO Umdasch Group AG u. Obmann der Zukunftsakademie Mostviertel) gemeinsam mit Mag. Silvia Angelo (Vorstandsmitglied der ÖBB-Infrastruktur AG, Ressort Finanzen, Markt, Service) die Veranstaltung. Danach erläuterte Mario Herger, PhD (Foresight Thinker | Consultant | Author - Enterprise Garage Consultancy) das Themenfeld anhand von einigen erfolgreichen Start Ups aus dem Silicon Valley in Kalifornien. Am Anfang steht immer eine Idee, die vielleicht manche für dumm halten. Doch das schwierige daran ist die Umsetzung, deshalb lautete sein Credo: „Pay it forward!“. Auch das Scheitern ist erlaubt, sofern man etwas daraus lernt. Wie „digital ready“ einige Unternehmen bereits sind, schilderte er eindrucksvoll anhand der automobilen Branche, wo in Kalifornien bereits 43 Unternehmen die Lizenz zum autonomen Fahren besitzen und stolze 80 Mrd $ investiert wurden. Der größte Reichtum wird hinkünftig Daten sein. Die Aufzeichnung beim autonomen Fahren kann allein in einer einzigen Stunde von 1 bis 4 Terrabyte Daten betragen. Sohin werden sich naturgemäß auch die Jobanforderungen ändern und Experten zu den Themen Datenanalyse und künstlicher Intelligenz gehört schon jetzt die Zukunft. Zum „Walk the Talk“ gaben weiterst spannende Inputs folgender Experten: DI Michael Altrichter (Business Angel & Impact Investor - startup300), Chris Müller (Founder | CEO - Tabakfabrik Linz), Ing. Thomas Welser (Welser Profile Austria GmbH) und Dr. Lucas Johannes Winter (Project Manager Doka Ventures GmbH).

Die neuen Rohstoffe sind schon jetzt Daten, betonte Chris Müller und gründete spontan in Anlehnung an die RAG (Rohöl-Aufsuchungs-AG) eine KAG (Kreativitäts-Aufsuchungs-AG) und erläuterte dabei, dass es jetzt gilt urbane Minen zu heben. Bevor man von heiligen Kühen spricht, sollte man eigentlich in den Sandkasten zurückkehren, Talente entdecken und fördern. Doch bevor wir unsere Gesellschaft transformieren, sollte man zuerst die Arbeit(swelt) definieren. In Hinblick auf die kollaborative Robotik gewinnen Orte bzw. Regionen mit prosperierender Infrastruktur immer mehr an Bedeutung. Dabei geht es aber im globalen Wettbewerb nicht um z.B. die Remise in Amstetten alleine oder den Zukunftscampus Molte Bene in Waidhofen/Ybbs oder die Tabakfabrik in Linz sondern um die einmalige Chance das ganze Potential z.B. an der Westbahnstrecke von Salzburg bis Wien zu nutzen, um Alleinstellungsmerkmale zu definieren und letztendlich auch zu verkaufen. Gefragt ist dabei vor allem die firmenübergreifende Zusammenarbeit, wo sich große wie kleine Unternehmen gegenseitige befruchten und hochschaukeln können. Wie Ing. Mag. Karl Friedl (gf. Gesellschafter M.O.O.CON GmbH) ergänzend anführte, muss das, was hier entstehen kann, erst erfunden werden = Stichwort: kulturelles Mindset. Und hier schließt sich wiederum der Kreis, wenn sich Arbeits- wie Lebenswelten neu definieren. Denn es geht nicht nur um Arbeitsplätze und Wertschöpfung, sondern es zählt auch insbesondere, wie das Umfeld rundherum beschaffen ist: Wohnen, Bildung, Kultur und Szene sind dabei mindestens genauso wichtig, wie alles Berufliche. Um international zu bestehen sind Clusterbildungen unumgänglich, die Bildung ebenso vernetzen, wie Mobilität. Erst das strukturelle und kulturelle Leben machen einen Ort aus. Dies ist wohl oder übel die Jahrhundertchance für die ganze Region, weit über das Mostviertel hinaus, wo u.a. die Umwelt noch intakt ist, sich Kriminalität und Terror in Grenzen hält und Kinder mit Werten aufwachsen können. In diesem Zusammenhang wies auch Günther Sterlike (Hochbau- und Liegenschaftsentwicklung Niederösterreich u. Burgenland / ÖBB-Immobilienmanagement GmbH) hin, der anschaulich darauf hinwies, dass es bei den nun in Amstetten freiwerdenden 100.000 m2 innerstädtischer Fläche nicht allein um die Liegenschaftsverwertung geht, sondern um weit mehr. Die Remise mit rd. 4.500 m2 WirtschaftsHUb, 800 m2 Kulinarik- und Eventlocation und 3.700 m2 Kongress- und Veranstaltungszentrum ist somit nur ein kleines Stück des ganzen „Kuchens“.
Im Anschluss wurde in verschiedenen Workshops 7 Themenfelder durchleuchtet:
Zusammenarbeit mit Start Ups - Start Up Corporate Collaboration | Neue Arbeitsmodelle in der Digitalen Transformation | War for Talents – die besten Köpfe der Region | Firmenübergreifende Zusammenarbeit - cross industry collaboration | Qualifikation und Bildung in einer digitalen und mobilen Welt | Foresight Mindset - Themen und Technologien der Zukunft erkennen | Infrastruktur für wirksame ECO Systeme.

Beim Social Networking in der Future Hub-Lounge wurde dieser spannende Diskurs weitergeführt. Aufgrund der positiven Aufbruchsstimmung und der großen Synergieeffekte kann schon jetzt garantiert werden, dass das Amstettner Zukunftsforum 2018 neuerlich stattfinden wird.

Didi Rath

1. Foto, v.l.n.r.: Mario Herger, Karl Friedl, Günther Sterlike, Silvia Angelo, Andreas J. Ludwig, Gerald Steinwender u. Rosemarie Pichler