SA
03.11

Amstetten | Premiere - Ein Inspektor kommt



Tosenden Schlussapplaus erhielten die SchauspielerInnen der Theatergruppe Thesasta bei ihrer Premiere des Stückes "Ein Inspektor kommt" von John B. Priestley.

Was ist das Geheimnis des Erfolgs der Theatergruppe Sankt Stephan Amstetten - TheSaStA? Engagierte Amateur- und Laientheatergruppen gibt es im Mostviertel zuhauf, unterhaltsame und ansprechende Stücke im Repertoire haben andere auch und herausragende Schauspieler ebenso. Doch bei TheSaStA spürt man die Leidenschaft, jedes Einzelnen vor, auf und hinter der Bühne gemeinsam zu spielen und etwas zu bewegen. Unweigerlich damit verbunden ist eine Person mit Leadership, nämlich Impresario Josef Maderthaner, der seit mehr als fünf Jahrzehnten diese Truppe zusammenhält, tröstet und motiviert zugleich. Die größten Erfolge beim Publikum verzeichnen wohl eher Stücke wie Pension Schöller oder Lumpazivagabundus, doch Maderthaner versteht es immer wieder, auch Stücke auf den Spielplan zu setzen, die einen mit- und nachdenken lassen. Nicht zwingend, doch wer will, kann in die Handlung hineinkippen und sich angesprochen fühlen. So berührten u.a. bereites „Kein Platz für Idioten“ von Felix Mitterer oder „Romero“ von J.T. Nortel.

Heuer steht das Sozialdrama „Ein Inspektor kommt“ von John Boynton Priestley am Programm. Glaubten anfangs einige vielleicht an eine lustige Kriminalkomödie, so wurden sie nach wenigen Szenen eines Besseren belehrt. Auch wenn das Stück bereits 1945 geschrieben wurde, ist es heute aktueller denn je. Schonungslos werden dabei die Probleme der Klassengesellschaft, die soziale Verantwortung in unserer Gesellschaft sowie die unterschiedlichen Ansichten der Generationen durchleuchtet und skizziert.

Den Anfang der Handlung macht eine Verlobungsszene in der Unternehmerfamilie der Familie Birling. Anfangs scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, freuen sich doch Eltern und Bruder gemeinsam über die Verbindung zwischen Sheila und Gerald. Plötzlich läutet es an der Tür und Inspektor Goole beginnt einem nach dem anderen zu verhören, möchte er doch die Hintergründe an dem Suizid einer jungen Frau aus der unteren sozialen Schicht verstehen. Dabei stellt sich heraus, dass jeder der Anwesenden einen Teil der Schuld daran trägt, dass sich die junge Frau das Leben nahm. Arthur Birling (Christian Dunkl), Oberhaupt der Familie und Fabriksbesitzer, hatte die junge Frau seinerzeit als Redelsführerin eines Streiks in seiner Firma entlassen, weil sie eine Lohnerhöhung forderte. Tochter Sheila (Sandra Leonhartsberger-Skarek) hat aus gekränkter Eitelkeit beim Einkauf in einem Modehaus, ebenfalls die Entlassung der Frau zu verantworten. Gerald Croft (Martin Stix) hatte mehrere Monate eine Affäre mit der Frau. Sibyl Birling (Christine Hiebl) lehnte als Vorsitzende einer Wohltätigkeitsorganisation für Frauen die Bitte um finanzielle Unterstützung ab, obwohl die Frau schwanger und am Ende war. Wie sich weiterst herausstellt war der betrunkene Vater Sohn Eric Birling (Thomas Ruckensteiner). Nachdem so jeder mit seinem Beitrag zum Schicksal der jungen Frau konfrontiert wurde, entschwindet der mysteriöse Inspektor Goole (Josef Maderthaner). Recherchen ergeben jedoch, dass es im Krankenhaus gar keinen Selbstmord gab und auch den Inspektor scheint es nicht zu geben. Vater Birling stellt daraufhin erleichtert fest, dass alles nicht wahr ist, niemand sohin Schuld auf sich geladen hat und man wieder in den „oberflächlichen“ Alltag zurückkehren könne. Dies widerstrebt aber Tochter Sheila und Sohn Eric. Für die beiden sei es, egal ob Realität oder Fiktion, Grund genug, dass eigene Verhalten kritisch zu überdenken und die Haltung zu ändern, was bei Vater und Mutter für Unverständnis sorgt. Schließlich läutet das Telefon: eine Frau habe sich das Leben genommen und ein Inspektor sei unterwegs, um ihnen ein paar Fragen zu stellen. Vorhang! Diese dramaturgisch großartige Schlusspointe reißt die Affäre ins Surreale hinüber. Sie entlässt handelnde Personen und Zuhörer mit einem großen Fragezeichen.

Wenngleich das ganze Ensemble die Charaktere der einzelnen Rollen bestens wiederspiegelt so ist heuer doch sehr auffallend, dass die Zeit der „nächsten Generation“ gekommen ist. Sicherlich lernen die Jungen von der Erfahrung der Älteren und die Älteren werden von den Jüngeren angespornt, auch das Miteinander ist harmonisch und fruchtbringend, doch Sandra Leonhartsberger-Skarek z.B., die ihre erste große Hauptrolle spielt und neben einem 11 Monate alten Kind im „echten Leben“ probt und spielt, brilliert gleichermaßen in der Wucht der großen Gefühle wie in einfühlsamen Momenten der Betroffenheit. Auch Neuzugang Martin Stix ist eine Bereicherung für das ganze Ensemble, und Gott sei Dank hat er vom Basket- und Volleyball kommend, die Begeisterung am Theater gefunden. Er überstrahlt nicht nur ob seiner Größe, sondern auch ob seiner kräftigen Intonation. Und auch Thomas Ruckensteiner, der auch im ulk-Ensemble eine wichtige Stütze ist, findet sich in seiner Rolle als Eric gut wieder. In einer weiteren Rolle zu sehen ist Ilse Frauendorfer als Dienstmädchen. Regie führte Hroswitha Wolfram und das ansprechende Bühnenbild stammt von Hans Kreitler.

Weitere Aufführungen:
SO 4.11., SO 11.11., SO 18.11. u. SO 25.11. - jeweils um 17:00 h
SA 10.11., FR 16.11., MI 21.11. u. SA 24.11. - jeweils um 19.30h
im Pfarrsaal St. Stephan

Babsi Zeitlhofer & Didi Rath
 

Theatergruppe TheSaStA


Kirchenstraße 16,
3300 Amstetten