SA
07.07

Waidhofen/Ybbs | Romeo & Julia - Ohne Tod kein Happy End - Premiere



Zum 65-jährigen Jubiläum der Schlosshofspiele präsentierte heuer die Waidhofner Volksbühne die Verwechslungskomödie „Romeo & Julia - Ohne Tod kein Happy End“ in der Fassung von Michael Niavarani und bearbeitet von Regisseurin Uschi Nocchieri.

Niavarani’s Ehetragödie handelt frei nach „Was wäre wenn …!“. Also was wäre aus dem größten Liebespaar der Weltliteratur geworden, wenn sie der triste Ehealltag nach all den Jahren eingeholt hätte. Romeo kann die Liebe nicht lassen, er liebt sein Schiff, seine junge Geliebte Beatrice, sein freies Leben als Handelsmann in Venedig und seine Lügen. Der Betrug an Julia bleibt nicht lange unentdeckt, auch sie leidet an der vertrockneten Lust zu Romeo, dessen Adler nicht mehr so richtig steigen mag. Gekränkt fasst sie daher den Plan, als Edelmann verkleidet, die Geheimnisse ihres Gatten aufzudecken und ihn bloßzustellen. Ganz nach dem Motto von Shakespeare: „Weise sein und lieben, vermag kein Mensch!“ handelt die amüsante Verwechslungskomödie von den Facetten der Liebe, des Betrugs und der Lügen. Ganz nebenbei werden Fechtkämpfe zwischen alten Neurotikern ausgetragen, Frauen in Männerkleidern verlieben sich in Frauen und Männer verlieben sich in Kokosnüsse, Romeos gibt es zwei- und sie lieben dieselbe Frau. Vater und Sohn sind Nebenbuhler geworden und müssen sich mit viel Einsatz von Poesie in einem unerbittlichen Kampf um die Geliebte unter dem weltberühmten Balkon in Verona im Dichten und Deklamieren beweisen.

Niavarani selbst zum Stück: „Ich lasse dabei nicht die Liebenden sterben, sondern die Liebe. In dieser Boulevardtragödie entgleitet den Figuren die schöne Sprache, weil ihnen ihr Leben entgleitet, ihr Ton wird immer rauer und verzweifelter. Romeo und Julia sind ja nicht das größte Liebespaar der Welt. Die zwei haben einander nur drei Tage gekannt. Sie haben miteinander geschlafen. Sie haben heimlich geheiratet. Dann haben sie sich umgebracht. Manches an dieser Verwechslungstragödie erinnert an Slapstick.“

Regisseurin Uschi Nocchieri hat zwar die Originalfassung beinahe um eine ganze Stunde gekürzt, doch nichts an Witz, Esprit und Tragik verloren. Jedes Ensemblemitglied hat sich in seiner/ihrer Rolle gefunden und der Mix aus leidenschaftlicher Spielfreude, außergewöhnlichem Bühnenbild (Hanno Frangenberg, Wolfgang Kettner und Die Holzspezis) und Ambiente ließen das Premierenpublikum zu frenetischen Standing Ovations hinreißen.

Während Wolfgang Kettner als Romeo Montague um keine Ausreden verlegen ist seine Liebesabenteuer möglichst lange geheim zu halten und mit seinem verschmilztem Lächeln rasch die Herzen des Publikums erobert, brilliert Christoph Marcik als falco-esker Romeo junior, rappend und mit Wiener Schmäh. Susanne Leonhartsberger besticht als Julia Capulet, egal ob im Kleid oder in Hosen, ihr Spiel mit männlichen Klischees ist hervorragend. Nicole Kronsteiner als Beatrice, Manuela Eichleter als Bianca und Regina Stummer als Sophia geben allesamt als Geliebte ein überzeugendes Bild. Hilde Fally als Fürstin und Thomas Krall als Escalus bzw. als Narr beeindrucken ebenso, wie Werner Fally als schwerhöriger Pater Lorenzo. Auch Otmar Pils geht in seiner Rolle als abenteuerlustiger Capitano Levantino ebenso auf wie Günter Königswenger als liebestoller Graf Paris. Ihren Einstand bei der Waidhofner Volksbühne gab die stimmgewaltige Rosemarie Andrews als Gustava mit Bravour. Nach eigenen Worten die Rolle seines Lebens fand Fritz Stummer als Miss Futtelfutt bzw. als Kardinal. Und auch der Nachwuchs der ältesten „Freilichtbühne Niederösterreichs“ kann sich sehen lassen und lässt hinkünftig noch große Theatermomente erwarten: die bezaubernde Pamina Adamer als junge Julia sowie die fechtenden „Strumpfhosen“ Max Bernreitner als junger Romeo und Maximiliam Pillgrab als junger Graf Paris. Nicht unerwähnt bleiben darf die berührende Gesangseinlage am Anfang von Karin Komats sowie die Musik unter der Leitung von Martina Ackerl, Angela Huber, Katharina Helpersdorfer und Ralph Neuhauser.

Abgerundet wird dieses Theatererlebnis von unzähligen Gelbhemden, die vor und nach dem Stück nicht nur mit erlesenem Theaterwein aufwarten, sondern auch mit Rat und Tat freundlichst zur Seite stehen. Besonderen Anklang findet auch der kulinarische Theatergenuss von Schlosswirt Andreas Plappert, zu buchen unter 07442/53657.

Die Karten sind erhältlich im Tourismusbüro Waidhofen/Ybbs oder via www.oeticket.com bzw. unter tickets@wy-volksbuehne.at.

Weitere Aufführungstermine sind: 10. (Ladies Night), 11., 13., 14., 17., 18., 20., 21., 24., 25., 27. und 28. Juli, jeweils um 20.00 h.

Didi Rath

Waidhofner Volksbühne


,
3340 Waidhofen/Ybbs
Presented