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02.10

Blindenmarkt | Premiere - Der Zarewitsch Teil 1



In der 37. Saison der Herbsttage Blindenmarkt setzt Intendant Michael Garschall mit der Operette „Der Zarewitsch“ von Franz Lehár auf einen Klassiker.

Diesmal ein Stück, dass weniger vom klassischen Operetten-Klamauk als vielmehr von großen Gefühlen, Sehnsucht und einer Liebe lebt, die letztlich an gesellschaftlichen und politischen Zwängen scheitert. Bei der Premiere in der Ybbsfeldhalle zeigte sich: auch die melancholischeren Töne stehen Blindenmarkt ausgesprochen gut.

Regisseur Wolfgang Dosch findet dabei eine angenehme Balance zwischen Gefühl und Leichtigkeit. Die Geschichte rund um den jungen Thronfolger Aljoscha, der sich den Erwartungen des Hofes und einer politisch gewünschten Vermählung widersetzt, wird verständlich erzählt, ohne dabei schwer zu wirken. Und natürlich darf bei aller Dramatik auch das Augenzwinkern nicht fehlen.

Im Mittelpunkt stehen Clemens Kerschbaumer als Zarewitsch und Maja Triler als Sonja. Triler überzeugt mit starker Bühnenpräsenz und viel Gefühl, während Kerschbaumer an diesem Abend besonders herausragt. Bei seinem Rollendebüt gestaltet er den Zarewitsch nicht nur stimmlich eindrucksvoll, sondern verleiht ihm auch jene Verletzlichkeit und innere Zerrissenheit, die diese Figur braucht. Spätestens beim berühmten Wolgalied „Es steht ein Soldat am Wolgastrand“ gehört ihm die Bühne.

Für die nötige Portion Humor sorgen Katrin Fuchs als Mascha und Andreas Sauerzapf als Iwan, die als eingespieltes Duo für willkommene Leichtigkeit sorgen. Mit Marianne Nentwich als Großfürstin und János Mischuretz als Ministerpräsident ist auch in den weiteren Rollen viel Bühnenerfahrung vertreten.

Unter der musikalischen Leitung von Thomas Böttcher bringt das Kammerorchester Ybbsfeld Lehárs bekannte Melodien gefühlvoll zur Geltung. Chor, Ballett und Ensemble fügen sich zu jenem großen Ganzen, das die Herbsttage seit vielen Jahren auszeichnet: professionelles Musiktheater mit viel regionalem Herzblut.

„Der Zarewitsch“ ist damit kein lauter Operettenabend, sondern einer mit Herz, Gefühl und einer guten Portion Melancholie. Und gerade das macht den Reiz dieser Produktion aus. Clemens Kerschbaumer setzt dabei ein echtes Ausrufezeichen und zeigt eindrucksvoll, warum er längst zu den Publikumslieblingen der Herbsttage zählt.

Ein gelungener Auftakt in die 37. Saison, der mit einem berührenden „Applaus für Hilde“ in Gedenken an die große Unterstützerin Hilde Umdasch begann, mit großen Melodien, starken Stimmen und dem Beweis, dass Operette auch dann berührt, wenn am Ende nicht alles gut ausgeht.

Gespielt wird noch bis zum 24. Oktober 2026. Alle Termine, Tickets und weitere Infos unter www.herbsttage.at.

Bühnenfotos (c) Lukas Beck

Didi Rath

Published: 02.10.2026 - 22.45

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