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01.07

Stadt Haag | Premiere - Der Geizige oder Die Schule der Lügner



Heuer beim Theatersommer Haag am Spielplan steht das Stück "Der Geizige oder Die Schule der Lügner" nach Molière in der Bearbeitung von Leander Haußmann.

Mit „Der Geizige“ ist dem Theatersommer Haag ein fulminanter Auftakt in den Theatersommer 2026 gelungen. Regisseur Leander Haußmann beweist einmal mehr sein feines Gespür dafür, klassische Stoffe aus ihrem musealen Korsett zu befreien und mit Tempo, Humor und überraschender Aktualität aufzuladen. Seine Bearbeitung von Molières berühmter Komödie erzählt von Habgier, Macht, Misstrauen und Egozentrik – und zeigt gleichzeitig, dass Liebe, Menschlichkeit und Zusammenhalt am Ende stärker sein können als Besitzdenken.

Schon beim Betreten des Haager Hauptplatzes wird deutlich, dass das Publikum nicht bloß Zuschauer ist, sondern Teil eines lebendigen Theatererlebnisses. Die historische Wandertruppe, die bereits im Vorjahr begeisterte, bildet erneut den Rahmen für eine Inszenierung voller Spielfreude, Slapstick und kluger Pointen. Haußmann versteht es meisterhaft, klassische Komödie und modernes Erzähltempo miteinander zu verbinden, ohne Molières Sprachwitz oder dessen gesellschaftliche Schärfe zu verlieren.

Im Zentrum steht Harpagon – in Haag von Gerti Drassl mit beeindruckender Präsenz gespielt. Ihre Interpretation ist weit mehr als die eines geizigen Menschen. Sie zeigt eine Figur, die vom Besitz geradezu besessen ist und darüber jede Fähigkeit verliert, anderen zu vertrauen oder Liebe zuzulassen. Drassl gelingt dabei der Balanceakt zwischen grotesker Überzeichnung und glaubwürdiger Tragik. Das Publikum lacht herzhaft über ihre Exzesse und erkennt zugleich erschreckend viele Parallelen zu einer Gegenwart, in der Geld, Macht und Eigennutz oft wichtiger erscheinen als Mitgefühl.

Ebenso überzeugend präsentiert sich Christian Dolezal, der als Intendant nicht nur erneut ein hochkarätiges Ensemble zusammengestellt hat, sondern auch auf der Bühne mit sichtbarer Spielfreude überzeugt. Gemeinsam mit Laura Laufenberg, Tobias Artner, Raphael Möst, Robin Krakowski und Julian Tzschentke entwickelt sich ein wunderbar eingespieltes Ensemble, dessen Tempo und Präzision über den gesamten Abend tragen. Niemand drängt sich unnötig in den Vordergrund – vielmehr entsteht echtes Ensembletheater, bei dem jede Figur ihren Platz findet.

Auch optisch überzeugt die Produktion. Minimalistische Bühne und oppulente Kostüme schaffen eine zeitlose Welt zwischen klassischer Komödie und moderner Groteske. Die wechselnden Bilder entstehen mit verblüffender Leichtigkeit, wodurch die Handlung niemals ins Stocken gerät. Immer wieder gelingen Szenen von großer Komik, die jedoch nie Selbstzweck sind, sondern den Blick auf die eigentlichen Themen schärfen.

Denn „Der Geizige“ ist in dieser Fassung weit mehr als eine Komödie über einen knauserigen Familienvater. Haußmann erzählt von einer Gesellschaft, in der Misstrauen und Egoismus Menschen voneinander entfremden. Seine Botschaft wirkt dabei niemals belehrend. Vielmehr entfaltet sie sich ganz selbstverständlich zwischen den zahlreichen komischen Momenten und macht das Stück erstaunlich gegenwärtig.

Das Premierenpublikum dankte den Mitwirkenden frenetischem Applaus und stehenden Ovationen. Verdientermaßen, denn diese Produktion vereint intelligente Unterhaltung mit gesellschaftlicher Relevanz und beweist eindrucksvoll, wie zeitlos Molières Theater auch fast 360 Jahre nach seiner Entstehung geblieben ist.

Der Theatersommer Haag setzt damit seinen erfolgreichen Weg fort und liefert einen Theaterabend, der gleichermaßen zum Lachen, Nachdenken und Genießen einlädt. Eine Premiere, die Lust auf einen langen Theatersommer macht. Das Stück wird noch bis zum 8. August 2026 am bezaubernden Hauptplatz in Stadt Haag jeweils um 20:15 h gespielt. Weitere Infos zu Terminen, Tickets und zum Rahmen-Programm der Perlenreihe gibt’s unter www.theatersommer.at.

Didi Rath

Published: 01.07.2026 - 23.15

Theatersommer Haag


Höllriglstraße 2,
3350 Haag