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20.02

Amstetten | Premiere - Der Neurosen-Kavalier



Viel Witz, viel Herz - Andreas Moldaschl inszeniert einen fulminanten Neurosen-Kavalier.

Mit der Komödie „Der Neurosen-Kavalier“ von Gunther Beth und Alan Cooper hat das TheSaStA-Ensemble einmal mehr eindrucksvoll bewiesen, wie lebendig Amateurtheater sein kann, wenn Spielfreude und Timing stimmen. Und dass dabei noch ein aktuelles Thema, welches in der Gesellschaft allzu oft tabuisiert wird, mit Humor und Leichtigkeit das Publikum zum Lachen bringt und gleichzeitig zur Bewusstseinsbildung beiträgt, ist schon ein wahrer Glücksgriff.

Die temporeiche Boulevardkomödie lebt von ihren schrägen Figuren, pointierten Dialogen und einer Handlung, die sich genüsslich zwischen Beziehungschaos, Neurosen und überraschenden Wendungen entfaltet. Genau hier punktete die Inszenierung: Das Ensemble spielte mit sichtbarer Lust an der Überzeichnung, ohne in platte Klamauk-Fallen zu tappen. Stattdessen entstand ein fein austarierter Humor, der das Publikum immer wieder zu herzhaftem Lachen verleitete.

Besonders hervorzuheben ist die geschlossene Ensembleleistung. Die Darstellerinnen und Darsteller harmonierten spürbar miteinander, bauten ihre Figuren glaubwürdig auf und hielten das hohe Tempo der Vorlage souverän. Einzelne Pointen saßen punktgenau, während leisere Momente Raum bekamen, um den Figuren Tiefe zu verleihen - eine Qualität, die man im Amateurtheater nicht als selbstverständlich voraussetzen darf. Egal ob Martin Brandstetter als charmanter Gauner und Hochstapler, Sonja Ibser als sehr blonde Sprechstundenhilfe Fräulein Engel, Wolfgang Grafeneder als romantischer Psychotherapeut, Eva Kendlbacher als Bestsellerautorin mit Bikini-Manie, Christian Dunkl als biederer Finanzbeamter, der sich für Elvis Presley hält, Martina Kies-Houstecky als diebische Witwe, Valerie Gamperl als handysüchtige Influencerin und Heidi Huber-Dunkl als depressive Kommissarin.

Auch die Inszenierung überzeugte mit Gespür für Rhythmus. Szenenwechsel verliefen flüssig, die Bühne war funktional und klug genutzt, und die Regie verstand es, das Chaos der Handlung klar zu strukturieren. So blieb der rote Faden jederzeit erkennbar, selbst wenn sich die Verwicklungen genüsslich überschlugen.

Am Ende stand verdienter Premierenapplaus für einen Theaterabend, der vor allem eines zeigte: Leidenschaft. Das TheSaSta-Team präsentierte keinen lauten Gag-Marathon, sondern eine liebevoll gearbeitete Komödie mit Charme, Spielfreude und überraschend viel Feinsinn. Ein gelungener Start für diese Produktion - und eine klare Empfehlung für alle, die Theater mit Herz und Humor schätzen.

Gespielt wird noch im Pfarrsaal St. Stephan jeweils um 19:30 h (außer Sonntagsvorstellungen um 17:00 h) bis 28. März 2026. Karten gibt es online unter www.thesasta.at sowie beim Wirt am Eck am Amstettner Hauptplatz.

Weiteren Applaus gab es auch noch nach dem Stück, als Stadtpfarrer Peter Bösendorfer über einen privaten Schicksalschlag eines kranken Kindes erzählte, dass eine dringend notwendige, leider sehr teure Behandlung braucht. Das TheSaStA-Ensemble zeigte Courage und soziales Engagement und hat bereits 5.000,- Euro zur Unterstützung dieser Theraphie überwiesen.

Didi Rath

Published: 20.02.2026 - 22.45

Theatergruppe TheSaStA


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3300 Amstetten