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04.02

Haag | Tee Zitrone oder ohne? Premiere



Die diesjährige Komödie von Danielle Navarro-Haudecoeur und Patrick Haudecoeur im Regiedebut von Martin Dreiling garantiert dank eines sensationellen und spielfreudigen Ensembles kurzweilige Unterhaltung auf höchstem Niveau.

Die Handlung

Eine Schauspieltruppe probt eine typische Boulevard-Komödie. Der betrogene Ehemann, der Liebhaber im Schrank - der sich später jedoch als Gentlemen-Dieb outen wird -, sowie eine Reihe bewährter Theater-Missverständnisse und -Gags, sind die Zutaten aus denen der klassische Komödienspaß zusammengebastelt werden soll. Doch zeigt sich schon bald, dass die Beteiligten an der Inszenierung nicht nur mit dem Stück, sondern auch mit ihren eigenen Problemen und Schwächen zu kämpfen haben. Da gibt es unter anderem die entscheidungsschwache Regisseurin, die ältere Schauspielerin, die sich ihre eigene Mittelmäßigkeit nicht eingestehen mag, und den jungen Hauptdarsteller, dessen Talent nicht mal für die Statisterie reichen würde, der jedoch auf Grund seines einflussreichen Vaters als Protagonist agieren soll. Der Mantel der Zivilisiertheit ist also äußerst dünn auf diesen Proben. Und so wird die Arbeit am offensichtlich allzu platten Stück immer mehr von privaten Sticheleien und Raufereien überdeckt, bis die Masken der vermeintlichen Freundlichkeit endlich gefallen sind. Das Desaster nimmt so seinen Lauf und auch die Premiere wird bei dieser Truppe nur eine Aneinanderreihung von unerwarteten Ereignissen sowie den verzweifelten Versuchen der Schauspieler, sich von einer Katastrophe zur nächsten zu hangeln. Letztendlich kämpft nämlich auch auf der Bühne ein jeder nur für sich allein.

Das Resümee

Schlechte Schauspieler gibt’s wahrscheinlich wie Sand am Meer. Aber schlechte Schauspieler gut darstellen, das ist schon eine Kunst, welche das ganze spielfreudige Ensemble des Haager Theaterkeller mit Bravour meistert. Wäre es nicht Teil dieser glänzenden Komödie, würde das Publikum wohl schon vor der Pause gehen, so katastrophal ist die Darstellung. Der Bogen reicht von verpassten Stichwörtern, über verwechselte Bühnenkulisse („Das ist keine Tür!“), überschätzter Selbstwahrnehmung mit unpassenden Regieeinfällen und vermeintlichen Gags bis hin zu miserablen untalentierten Fehlbesetzungen, einer überforderten Regisseurin und dem Beleuchter Julian, beim dem keine einzige Tonzuspielung oder Lichteffekt passt (an dieser Stelle großes Lob an den „echten“ Techniker Gottfried Reisenhofer, bei dem sehr wohl alles punktgenau sitzt). Für das Publikum ist es nicht nur interessant einmal hinter die Kulissen zu blicken, sondern auch mehr als amüsant, bei der vermeintlichen Premiere einerseits zu wissen, was kommt, und andererseits mitzuerleben, was letztendlich aus dem Probenchaos geworden ist. Toll ist auch das Aha-Erlebnis in punkto Kostüme und Bühnenbild, welches von Hermi Prinz und Edith und Hans Hengst wieder einmal perfekt umgesetzt wurde.

Herausragend einmal mehr Bernhard Oppl, der als unbedarfter Julian sich mehr oder weniger von allen alles einreden lässt und so von einer Panne in die nächste kippt. Phänomenal, wie er outriert und selbst im Schwitzkasten nicht die Fassung verliert. Auch Irmi Gruber als Sophia, steht dem männlichen Hauptdarsteller um nichts nach, wenn sie ebenso ihr Französisch ein wenig übertreibt und ihre Augen verdreht, sodass oft gar kein Text mehr notwendig ist, um zu verstehen, was sie fühlt bzw. sagen will. Herrlich komisch und am Rande des Nervenzusammenbruchs ist Julia Frisch als leidende Regisseurin Klara, die ob eines Unfalls dann auch noch selbst im Stück einspringen muss. Witzig auch Maximilian J. Modl als Haustechniker Robert, den scheinbar nichts aus der Ruhe bringen kann, außer jemand geht durch seine „nicht vorhandene Tür“ oder entwendet sein Kaffeehäferl. Einmal mehr auf den Leib geschneidert und allen Erwartungshaltungen gerecht wird Michael Zintl-Reburg als Gentleman-Dieb Dominik. Schräg komisch mit seinen absurden Einfällen ist auch Peter Woy als bandscheibenbedingter Richard und Sieglinde Hauser bezaubert als Kostümbildnerin und Requisiteurin Brigitte.

Zuletzt großes Lob an Martin Dreiling, früher selbst Mitspieler im Theaterkeller, dem sein Regiedebut in Haag mehr als geglückt ist. Wer diese spritzige Farce versäumt, ist selber schuld, denn wo kann man knapp zwei Stunden so herzhaft lachen und nebenbei auch noch im Gasthaus bei Karl Wagner vorher oder nachher gepflegt speisen.

Gespielt wird noch bis 21. April jeweils freitags und samstags um 20 h. Reservierungsmöglichkeiten
telefonisch unter 07434 / 44600-0 oder reservierung@theaterkeller.at bzw. unter www.oeticket.at.

Didi Rath
 

Haager Theaterkeller


Höllriglstraße 2,
3350 Haag