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07.09

Amstetten | Initiative - Rettet die Remise Amstetten


Zwei engagierte Bürger, die aus persönlichem und überparteilichem Interesse es sehr schade finden würden, wenn diese einzigartige und außergewöhnliche Kunst,-, Kultur- und Eventlocation beim Amstettner Bahnhof abgerissen würde, haben am 4. September 2021 im Facebook eine Initiative zur Rettung der Remise ins Leben gerufen.


Für Ulrike Kühhaas und Helmut Wurzer ist es unverständlich, warum ein historisches Denkmal mit Flair - wie sie es im Facebook bezeichnen, dass „unendlich viele Möglichkeiten als Eventlocation bietet: Konzerte, Theater, Lesungen, Partys, Hochzeiten, Vernissagen, Festivals, Public Viewing, Kurse, Tanzabende u.v.m.“ abgerissen werden soll. Sie führen weiterst aus: „an einem zauberhaften Veranstaltungsort, um den uns Großstädte auf der ganzen Welt beneiden würden. … ein architektonisches Schmuckstück … ideale Symbiose aus Wirtschaft, Kultur und Kulinarik … urbanes Feeling par excellence.“

mostropolis.at hat nun die relevanten Vertreter um Stellungnahme dazu ersucht:

Der Geschäftsführer der Wirtschaftsraum Amstetten GmbH (WRA) Günther Sterlike hat uns folgenden Status übermittelt:

Ausgangslage / Historie:
 Die alte Remise beim Bahnhof Amstetten ist nicht nur das namensgebende Objekt für das Baufeld "An der Remise" im Quartier A sondern sie präsentiert sich als gesellschaftspolitischer Kompass und als Anker des Stadtentwicklungsprozesses in Amstetten. Die Remise hat sich seit 1909 als Magnet etabliert. Waren es einst Züge und Lokomotiven, so sind es heute Menschen von ihr angezogen werden. Seit 2016 hat sie sich als wichtige Kommunikationsdrehscheibe rund um die Themen des Quartier A herauskristallisiert. Sie lässt uns gewissermaßen das künftige Quartiersleben bereits heute erahnen. Ein Ort zum Arbeiten, Vernetzen, Entspannen, Genießen und zur Inspiration.

Status:
 Mit Anfang 2021 wurde die Remise von der ecoplus (Halle 1 + 2) und der Wirtschaftsraum Amstetten GmbH (Halle 3) gekauft. Beide Eigentümer versuchen die eingangs beschriebene Kraft und die Symbolik der Remise aufzugreifen und in die Zukunft zu tragen. Wir sind uns der Historie und der damit einhergehenden Verantwortung bewusst. Das manifestiert sich in klaren Vorgaben was die künftige Gestaltung der Remise betrifft.

Beide Eigentümer haben sich zu einem gemeinsamen Architekturverfahren verständigt. Fünf Architektenteams werden bis Ende des Jahres 2021 unsere Ideen in eine architektonische Vision transformieren. Eine wesentliche Aufgabenstellung ist die nachhaltige Wiedererkennbarkeit der Remise und das sensible Aufgreifen der historisch relevanten Bau- und Gestaltungselemente der alten Remise.

Zielsetzung:
 Die beiden Hallen der ecoplus werden sich in eine topmoderne und zukunftsorientierte Bürowelt verwandeln. Ein Ecocenter das weit über die Grenzen des Wirtschaftsraumes eine Strahlkraft entwickeln und erstmals Aufmerksamkeit auf den neu konstituierten Wirtschaftsraumes Amstetten und die Zukunft des Quartier A lenken wird.

Die Halle 3 (Tore 15 - 22), also jener Teil der WRA GmbH greift die Themen Kommunikation und Kollaboration auf. Eine großzügige Gastronomie versorgt die Nutzer des Quartiers. Das Konzept ist modern und flexibel und lässt sich für unterschiedlichste Zwecke nutzen. Vom Geschäftstermin am Kaffeetisch, dem lockeren, firmenübergreifenden Austausch in der Kantine bis zum Afterwork-Netzwerkevent am Abend. Die Halle 3 wird auch weiterhin der Ort der Vernetzung und der Kommunikation bleiben.

Architektonisch wird der Charme der alten Remise behutsam in die Zukunft getragen. Urbaner Industrial Style, gemischt mit moderner und hipper Ausstattung lässt die Remise zum "place to be" für unsere Zielgruppen werden.

Es ist eine dezidierte Aufgabenstellung an den Architekturwettbewerb, wie und auf welche Art und Weise sich die alte Remise in die Zukunft transformieren lässt. Unsere Vision baut auf die Stärken des Standortes auf, betont und würdigt die Historie orientiert sich aber jedenfalls an den Herausforderungen und Chancen der Zukunft!

Für Bürgermeister Christian Haberhauer gilt „Amstettner Remise wird ein Leuchtturmprojekt“:

Insgesamt 18 Architekten machen sich Gedanken über die Zukunft der Remise im Herzen von Amstetten. Die Planungsphase für die Quartiersentwicklung des Areals ist derzeit voll im Gange. Die Schwerpunkte dieses „Leuchtturmprojekts“ sollen neben Kreativität, Innovation, Wirtschaft aber auch auf eine Kombination aus qualitativ hochwertigem Wohnraum und Events liegen.

Durch den Kauf des Bahnhofsareals rund um die Remise durch die Wirtschaftsraum Amstetten GmbH (WAR) und die ecoplus wurde der Grundstein für die gemeinsame Quartiersentwicklung des Areals gelegt. Als eines der ersten Projekte wird gerade die Remise neu entwickelt. Dabei werden rund zwei Drittel der Flächen von der ecoplus und ein Drittel von der WAR für die Zukunft neu gedacht. Mit einem Architekturwettbewerb soll der passende Planer gefunden werden. Dabei besteht der Wunsch, möglichst viel von den Stilelementen und der beliebten Remise-Gebäudeform zu behalten. In der Remise spielen in Zukunft vor allem folgende Themen eine Rolle: Arbeit, Bildung, Forschung, Wohnen und gastronomische Versorgung.

Bürgermeister Haberhauer sieht in der Weiterentwicklung des Areals rund um die Remise eine Jahrhundertchance: „Hier entsteht ein Leuchtturmprojekt für Amstetten, wobei die Schwerpunkte auf Kreativität, Innovation, Wirtschaft aber auch hochwertigem Wohnraum liegen sollen“, so der Stadtchef, dem aber wichtig ist, dass Stilelemente des geschichtsträchtigen Bauwerks erhalten bleiben. Und natürlich wird das Remise-Areal auch zukünftig für verschiedene Veranstaltungen zahlreiche Möglichkeiten bieten.

Und die Aufsichtsratsvorsitzende-Stv. ecoplus LAbg. Bgm. KR Michaela Hinterholzer ergänzt:

Die ecoplus hat am Standort rd. 9.500 m2 von den ÖBB erworben um hier Wirtschaftskooperation, ecocenter und Gründeroffensive zu verbinden. Mit dem Bau des Ecocenters sollen vorbildhafte und zukunftsorientierte Flächen für Büros und Werkstätten zur Vermietung entstehen, welche als wirtschaftlicher Multiplikator für den Standort dienen.

Gemeinsam mit der WRA haben wir einen Architektenwettbewerb eingeleitet, wo aktuell aus rund 20 Einreichungen 5 Architektenteams nach Juryentscheid in die engere Wahl kommen. Jene 5 Teams haben dann bis Jahresende Zeit ihre Pläne entsprechend zu präsentierten. Dabei sollen ökonomische, wie ökologische Baustandards ebenso berücksichtigt werden, wie die Wiedererkennbarkeit des aktuellen Ringlokensembles - also die U-Form soll erhalten bleiben. Welche Bausubstanzen und Stilelemente im neuen Nutzungskonzept wieder Einzug finden, hängt in erster Linie vom Zustand der Materialien und deren Wiederverwendung ab. Was aber vom Nutzungskonzept bereits jetzt klar ist, dass wir innovativen Unternehmen eine zukunftsorientierte Büroinfrastruktur zur Vermietung anbieten wollen. In ganz Niederösterreich hat ecoplus bis dato mehr als 80 solcher Mietobjekte realisiert und erfolgreich vermietet. Die Umsetzung erfolgt in Modul-Schritten, sodass wir je nach Bedarf und Nachfrage weitere Module ergänzen können. Das Investitionsvolumen in den nächsten Jahren beträgt bis zu 9 Millionen. Dass im Gesamtkomplex ein gastronomisches Angebot da sein muss und auch weiterhin Veranstaltungen das kollaborative Arbeiten fördern liegt auf der Hand, doch dafür ist jener Teil vorgesehen, denn die WRA bespielen wird.

Und hier geht’s zur Initiative im Facebook.

Didi Rath