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22.12

Amstetten | Kulturpreisverleihung an Gerhard Steinkellner


Am 20. Dezember wurde im Rathaussaal Amstetten der Amstettner Kulturpreis, in Würdigung seiner Verdienste um das Filmwesen, an den Obmann des Vereins SüdFilmfest, Gerhard Steinkellner, überreicht.


Es war im April 1988 am Flughafen in Managua: Gerhard Steinkellner trinkt an einem Kiosk ein Bier und lernt dabei einen Tiroler namens Helmut Groschup kennen. So beginnt die Geschichte des SüdFilmfests Amstetten. Helmut Groschup schilderte Gerhard Steinkellner die Welt des Films so faszinierend, dass der damals in dieser Hinsicht unbedarfte ÖBB-Zugchef vom „Filmbazillus“ infiziert worden ist. Seither hat ihn dieser auch nicht wieder losgelassen. 1990 startete Gerhard Steinkellner mit ersten Filmvorführungen in Amstetten und legte damit den Startschuss zu einer Veranstaltungsreihe, an deren Ende auch heute noch nicht, 27 Jahre danach, zu denken ist. Jährlich im Sommer stattfindende themenbezogene Filmfestivals, seit 1997 unter dem Namen Südfilmfestival, bereichern bis heute den Amstettner Kultursommer auf eine einzigartige Art und Weise. Als Fixpunkt für viele Filmfreunde ist dieses Filmfestival mittlerweile weit über die Grenzen des Mostviertels hinaus bekannt. Aufgeführt werden vor allem Filme aus dem „Süden“ (Südosteuropa, Asien, Afrika, Lateinamerika), die in der Regel nicht im kommerziellen, hollywoodorientierten Kinobetrieb gezeigt werden. Waren es 1990 noch vier Filme, so stehen mittlerweile jährlich rund 50 Filme auf dem Programm. Mehr als Grund genug, Gerhard Steinkellner im Rahmen einer Feier mit dem Kulturpreis der Stadt Amstetten auszuzeichnen.

Begrüßt wurden die Gäste an diesem besonderen Abend von GR Regina Öllinger, danach übernahm Jürgen Adelmann, langjähriger Weggefährte Gerhard Steinkellners und Filmexperte, die Moderation des festlichen Abends. Mit sehr persönlichen Worten beschrieb er seine Zusammenarbeit mit dem Preisträger. Für Gerhard Steinkellner und sein Team, immerhin Menschen aus 15 Nationen „ist Kultur nicht statisch, sondern lebendig und daher ständig im Wandel begriffen. Kulturelle Vielfalt ist als Bereicherung einer Gesellschaft zu sehen und als solches zu begrüßen. Daher ist es unser Anliegen, die kulturelle Vielfalt auf unserer Erde zu veranschaulichen, um den Blick der Menschen nach außen offen zu halten und deren Interesse für andere Lebensformen und -stile zu wecken.“ Diese Philosophie Gerhard Steinkellners wird mit jeder Veranstaltung des Vereins SüdFilmfest, sei es eine Filmvorführung mit anschließender Diskussion oder im Rahmen des „Multikulturellen Stammtisches“, aufs Neue unterstrichen. Als Zeichen der Anerkennung überreichte der Künstler Martin Burian ein handfestes Resultat einer Südfilmfestveranstaltung an Gerhard Steinkellner, ein 2012 anlässlich des SüdFILMfestivals im Schloss Ulmerfeld von Teilnehmern und Besuchern erstelltes Bild, nachbearbeitet von Martin Burian.

Ein weiterer Höhepunkt war - wie könnte es anders sein - eine Filmvorführung. Gezeigt wurde der sehr berührende japanische Animationsfilm „Tokyo Godfathers“ von Satoshi Kon. Eine Weihnachtsgeschichte über drei Außenseiter, die in den Straßen Tokyos einen ausgesetzten Säugling finden.

Im Anschluss an den Film war es für Bgm. Ursula Puchebner eine besondere Ehre und Freude, Gerhard Steinkellner, in Würdigung seiner Verdienste um das Filmwesen, den Kulturpreis der Stadt Amstetten, eine der höchsten Auszeichnungen der Stadt, zu verleihen. „Besondere Menschen verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit, besonderen Menschen drücken wir seitens der Stadtgemeinde Amstetten unsere besondere Wertschätzung aus“, mit diesen Worten eröffnete Ursula Puchebner ihre Laudatio, in der sie den Preisträger würdigte und seine zahlreichen Verdienste um das Amstettner Kultur- u. Zusammenleben hervorhob. Sie verwies dabei auch auf eine Hauptzielsetzung des Vereins SüdFILMfest, nämlich „das Bewusstsein dafür zu stärken, wie ungleich die Chancen der Menschen auf ein Leben in Würde verteilt sind.“ Unter viel Beifall nahm Gerhard Steinkellner den Kulturpreis entgegen und bedankte sich danach bei all denen, die ihn auf seinem Weg begleiten und begleitet haben.

Über Gerhard Steinkellner:
Im Jahr 1957 in Winklarn geboren, absolvierte Gerhard Steinkellner seine Pflichtschulzeit um danach 1972 die Lehre des Karosseriebauers und Lackierers zu beginnen, die er 1976 mit Bravour abschloss.
Nach dem Wehrdienst 1977 trat Gerhard Steinkellner in den Dienst bei den ÖBB, war dort von 1988 bis 2008 als Zugchef tätig und wurde im Jahr 2008 pensioniert.
Ende der 80er Jahre rief er mit Gleichgesinnten das Nicaragua-Komitee ins Leben, er war Gründungsobmann des Weltladens Amstetten und seit seiner Gründung im Jahr 2001 steht er dem Verein SüdFilmfest Amstetten als Obmann vor. Unter seiner Ägide entwickelten sich auch Formate abseits des Films, wie der „Multikulturelle Stammtisch“, „Miteinander aktiv“ und das Nähcafe Amstetten.

Foto (z.V.g.) v.l.n.r.: GR Reinhard Aigner, Bgm. Ursula Puchebner, Kulturpreisträger Gerhard und Maria Steinkellner, GR Regina Öllinger, Elke Strauß (Kulturabteilung)
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