Der zerbrochne Krug von Heinrich von Kleist
Das Stück, welches Kleist vor mehr als 200 Jahren geschrieben hat, hat, abgesehen von der Altdeutschen Sprache, an Aktualität nichts verloren, gibt es doch heute immer noch Fälle von Amtsmissbrauch und das Ausnutzen von Macht und Autorität. Mit ein paar Ausflügen ins Mostviertel - sowohl als Ort der Handlung nach Waidhofen als auch das Einbauen des Mostes selbst - gelingt es Regisseurin
Susi Weber, unterstützt von
Vera Urban (Dramaturgie), trotz der anfänglich gewöhnungsbedürftigen Sprache und der Tragik der zwischenmenschlichen Konflikte, das Ganze weniger als analytisches Drama der Weltliteratur, sondern vielmehr als verkorkstes Lustspiel rüberzubringen. Während im 1. Akt noch die Handlung aufgebaut wird und die einzelnen Charaktere an Tiefe gewinnen, geht es im 2. Akt schon weit rasanter zu, wenn scheibchenweise die Wahrheit ans Licht kommt. Einen grenzgenialen, mit allen Wassern gewaschenen Dorfrichter Adam gibt
Andreas Patton, der schon 2010 in Melk als Wilhelm Tell bestach und im selben Jahr für seine Darstellung in Frost einen Nestroy in der Kategorie Beste Off-Produktion erhielt. Aber auch die restlichen SchauspielerInnen stehen dem Hauptdarsteller um nichts nach, beeindrucken doch diese allesamt an starker Ausdruckskraft und temperamentvollem Mimenspiel. So geben sich Szenen zum Mit- und Nachdenken mit richtigen Brüllern quasi die Hand! Die Premierengäste zollten dem starken Ensemble frenetischen Applaus und Intendant
Gregor Bloéb strahlte ob dessen den ganzen Abend bis über beide Ohren!
Die Handlung
In der Gerichtsstube des Dorfrichters Adam (Andreas Patton) klagt Frau Marthe (
Babett Arens) den Verlobten ihrer Tochter Eve (
Franziska Hackl) an, einen wertvollen Krug aus ihrem Familienbesitz zerbrochen zu haben. Ruprecht (
Hannes Perkmann) bestreitet es, er habe zur besagten Tatzeit einen fremden Mann aus Eves Zimmer flüchten sehen und dieser sei verantwortlich für die Scherben. Tief verletzt, unterstellt er Eve, untreu zu sein. Eve schweigt entschieden zu allem, sie bittet ihre Mutter, die Klage fallen zu lassen, und Ruprecht, ihr in dieser Sache zu vertrauen. Adam begrüßt es, den Gerichtstag beenden zu können, da er ohne seine obligatorische Perücke und lädiert von einem morgendlichen Missgeschick, durch das er sich blutige Schrammen am Kopf und eine Verletzung am Bein zugezogen hat, sein Amt nur schwer nachzugehen gewillt ist. Es ist aber kein gewöhnlicher Amtstag in der Huisumer Gerichtsstube. Gerichtsrat Walter (
Johannes Gabl) ist zur Stippvisite gekommen und besteht auf Klärung des Falles. Licht, der Schreiber des Dorfrichters (Stefan Lasko), wittert seine Chance zum Aufstieg und eilt, um Frau Brigitte (
Elfriede Schüsseleder), eine weitere Zeugin des nächtlichen Schauspiels rund um den zerbrochenen Krug, in die Gerichtsstube zu holen. Kann sie zur Aufklärung des Falles beitragen? Und wem gehört die Perücke, die sie im Spalier des Hauses von Frau Marthe gefunden hat? Auch will sie Spuren im Schnee gesehen haben, die von diesem Haus direkt zum Gerichtshaus führten. Und woher stammen eigentlich wirklich Adams Blessuren?
In weiteren Rollen zu sehen sind
Josef Forster als Bauer Veit Tümpel und
Stephan Bartunek als Diener.
Didi Rath
Gespielt wird noch bis 4. August am Haager Hauptplatz. Die heurige
junior-senior!Produktion „Der Schokodieb“ unter der Regie von Claudia Scherrer feiert am 23. Juli im Pfarrhof Premiere. Im Rahmen der
Perlenreihe gastieren heuer am 8. Juli die
Wiener Comedian Harmonists, am 15. Juli
Alfred Dorfer in „bisjetzt“, am 22. Juli
Erwin Steinhauer & seine Lieben in „Feier.Abend“ sowie am 29. Juli
Thomas Stipsits & Manuela Rubey in „Triest“! Weitere Infos, Termine und Tickets gibts
hier!
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