Neo-Intendant Gregor Bloéb und Regisseurin Bettina Hering haben wohl ganz bewusst Edmond Rostands „Cyrano von Bergerac“ für den Haager Theatersommer gewählt, ist doch die Hauptrolle dem sympathischen Tiroler förmlich auf den Leib geschnitten. Er beherrscht sein Fach und kann einmal mehr abseits von manch seichten TV-Formaten sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellen. Jede noch so feine Nuance des Wesens Cyranos, seine wissentliche sprachliche Genialität im Widerspruch zu seiner „nasalen“ Optik, skizziert er feinfühlig und authentisch. Egal ob draufgängerisch im Degenkampf oder mit dem Bekenntnis zur großen Liebe in Vers und Reim, seine Sprache und Mimik treffen punktgenau, selbst seine Tränen scheinen echt zu sein, sodass er nach einer kurzen Aufwärmphase die Gunst des Publikums flugs erobert. Also nach dem Gastspiel in Haag vor zwei Jahren In 80 Tagen um die Welt und in der Josefstadt als Diener zweier Herren ein weiterer großer Erfolg, auch in Richtung Charakterrollen. Aber auch Gecko Manuel Rubey als Christian von Neuvillette und Herzensdame Gerti Drassl als Roxanne gingen in ihren Rollen richtig auf und lebten diese feinfühligen Charaktere gut auf der Bühne aus. Bemerkenswert sind aber Raimund Wallisch und Cornelia Köndgen, die gleich in mehrere Rollen schlüpfen. In weiteren Rollen zu sehen sind Harald Windisch als eitler Graf Guiche, Sami Loris als Le Bret und Stefan Laczkovics als Bäckerpoet Ragueneau. Besonderen Anklang fanden auch die malerischen, musikalischen Arrangements der Mondscheiner-Buam, so der allgemeine Tenor des Premierenpublikums. Weniger goutiert wurde hingegen die teils verkrampfte Modernisierung durch Requisiten wie Bierdose, Handy oder Sturzhelm. Gespielt wird noch bis 8. August um wunderschönen Hauptplatz in Haag.
Perlenreihe
Neben der junior!Werkstatt Produktion „Lange Nasen, Große Ohren“, die am 20. Juli Premiere feiert, finden im Rahmen der „Perlenreihe“ 3 Sonntagsmatinéen statt. Den Beginn machen Maria Erlacher und Markus Forster mit ihrem Kammermusikensemble mit den Italienischen Duetten Georg Friedrich Händels am 12. Juli. Eine Wochen später folgen Rob Fowler & Zoltan Sebestyen, besser bekannt als das Rock-Duo Morton. Am dritten und letzten Sonntag, also am 26. Juli steht das Orchester moderntimes_1800 gemeinsam mit dem lesenden Publikumsliebling Tobias Moretti auf der Bühne.
Dieter Rath – Mostviertel-Magazin
www.theatersommer.at