Oper mit allen Sinnen
Wie heuer auch andernorts, fiel die Premiere von Georg Friedrich Händels Barockoper "Acis & Galatea" auf der stimmungsvollen Burgarena Reinsberg buchstäblich ins Wasser. Was zwar den Opernfreunden nicht allzu viel ausmachte, ist doch heuer erstmals die ganze Tribüne inkl. Bühne wind- und wetterfest. Schade war es nur für das begleitende 5 Elemente Fest, wo die Protagonisten ihre Attraktionen in kleine Zelte verlegen musste. So hatte das Element Wasser (Regen) leider die Oberhand. Trotzdem wurde Brot gebacken, schaugeschmiedet, gesungen - Ybbstaler Dreiklang und Fanfaren, Karten gespielt und Glühmost und Speck verkostet. Biologische Produkte aus der Region!
Garanten für eine sicherlich erfolgreiche Produktion sind auch heuer wieder der künstlerische Leiter und Dirigent des Orchesters Wiener Akademie,
Martin Haselböck, Regisseur
Michael Sturminger sowie der kaufmännische Direktor
Karl Prüller und sein umermüdliches Team aus engagierten Einheimischen.
G.F. Händel und das Orchester Wiener Akademie stehen in inniger Beziehung und dürften quasi musikalisch seelenverwandt sein. Haselböck, der anfangs noch etwas verhalten begann wuchs immer mehr in das Stück und später über sich selbst hinaus. Unterhaltsamer kann Musiktheater wahrlich nicht sein. Die einzige Oper, die Händel 1718 in englischer Sprache schrieb, besticht durch wunderschöne Melodien und bietet neben Liebe und Komödiantik ebenso eine große Portion Spannung. Die Geschichte rund um die schöne Nymphe Galatea (Claire Meghnagi), dem eifersüchtigen Ungeheuer Polyphemus (Tomasz Konieczny) und dem liebestollen Schäfer Acis (James Oxley) berührt so in mehrerer Hinsicht. Die Drei sind stimmlich, aber auch in Mimik und Gestik einfach grandios. Aber auch Wilhelm Spuller als Damon, Paul Schweinester als Gian Carlo Damonte, Akiko Ito als Miranda, Jan Petryka als Damian und Lukasz Konieczny als Polydor stehen den Hauptdarstellern um nichts nach. Das "I"-Tüpfelchen an Perfektion ist das wunderschöne Bühnenbild, welches einen prunkvollen Park vor einem englischen Schloss wiedergibt, wo das 14köpfige Orchester auf der Wiese spielt und sich Gott sei Dank nicht in einem Orchestergraben verstecken muss und auf witzige Weise vermehrt ins Stück eingebunden ist. Gespielt wird noch bis 14. August!
Der ehemalige Leiter des ORF-Archivs in der Hauptabteilung Dokumentation und Archive, Prof. Dr. Peter Dusek, ein ausgewiesener Opernexperte, besuchte heuer bereits 13. Produktionen des Theaterfestes Niederösterreich, doch Acis & Galatea hat ihm bis dato am Besten gefallen. Ebenso ins Schwärmen geriet Ld.hpt.Stv. Mag. Wolfgang Sobotka, selbst Dirigent des Waidhofener Kammerorchesters, der vor allem das hohe künstlerische Niveau des Orchesters und der Sänger, die auch hervorragende Schauspieler sind, lobte. Einstimmig stellten beide fest, dass damals in der Barockmusik nicht zwischen E und U Musik unterschieden wurde und die Melodien nach wie vor zeitlos und flott sind, damals also richtige "Gassenhauer" waren.
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