30.06.10 - Mostviertel-Magazin: Clemens Haipl
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Man kennt ihn. Als Kabarettist (einer der drei Hauptprojektleiter des „Projekt X“ oder früher bei der ORF-Sendung „Montevideo“ als Mülltonne), als Buchautor (neuestes Buch „Sind wir bald da? Clemens Haipl sucht den Jakobsweg“), Kolumnist oder Musiker (aktuelles Projekt „Depeche Ambros“). Petra traf den sympathischen Künstler in einem Gastgarten in Wien, um mit ihm über seine beiden neuesten Veröffentlichungen zu sprechen.
Du bist Kabarettist, Musiker, Produzent, Autor, Kolumnist, Moderator,... Wie und wann hast du alle deine Talente entdeckt?
Nachdem ich mir nicht sicher war, welche Talente ich habe, habe ich Stück für Stück einfach alles ausprobiert. Seit ich 18 bin. Ich habe nur gewusst, was ich nicht machen möchte: Ich wollte nicht in einem Büro sitzen und ich wollte nicht körperlich schwer arbeiten. Mein Vater meinte dazu dann: „Da gibt’s aber nichts dazwischen.“ Aber scheinbar doch, denn ich lebe ja noch immer. (lachen)
Ich habe ganz klassich damit begonnen Publizistik zu studieren, hab‘ damit aber wieder aufgehört, weil ich nicht hingegangen bin und nichts weitergebracht habe. Mit meiner ersten WG habe ich zu der Zeit in der Nähe des U4 gewohnt, wo Pete Hook von New Order mit seinem Solo-Projekt, der Band „Revenge“, gespielt hat. Ich war damals ein riesiger New Order-Fan und habe ihn darauf angesprochen und gefragt, wie das funktioniert und wie man das macht. Er meinte: „Mit einem Computer“ und ich – vollkommen naiv – ging am nächsten Tag zum Media Markt und kaufte mir einen Amiga 500 und dachte, das klingt dann wie Depeche Mode oder New Order. Hat aber nicht funktioniert.
Dann wollte ich mir ein besseres Teil kaufen, hab dafür Geld gebraucht und so wollte ich einen Sommer lang bei Ö3 jobben und hab‘ mich dort beworben. So bin ich beim ORF „picken“ geblieben. Weil ich dort zu wenig verdient habe, hab‘ ich für Zeitschriften geschrieben. Musik habe ich die ganze Zeit vollkommen anonym und „vollgas“ gemacht. Schon seit ich 19 bin. Es ist nicht so, dass ich auf die Idee gekommen bin: Hurra, Kabarett habe ich gemacht, Buch hab‘ ich gemacht, jetzt mach‘ ich noch schnell eine Platte. Das mache ich schon ewig lange. Ich hab‘ schon mit irgendwelchen Indie-Bands Platten herausgebracht und dann mit dem Didi Bruckmayr zwei Sachen gemacht. Mit dem Christopher Just habe ich im vorigen Jahr eine Weihnachtsplatte gemacht, „auf deppat“.
Mit dem Schreiben ist das irgendwie genauso. Im Prinzip ist es immer das Gleiche. Also noch mal zur Frage zurück: Talente. Ich glaube, ich habe ein Talent: Ideen haben. Und wenn man Ideen hat ist es wurscht ob man ein Buch schreibt, eine Sendung oder eine Platte macht. Ich kann nicht Gitarre oder gar Klavier spielen. Aber ich habe Ideen und ich weiß, entweder kann ich sie selbst umsetzen oder ich kenne jemanden, der es kann. Beim Projekt „Depeche Ambros“ zum Beispiel. Da kenn‘ ich jemanden der singen und jemanden der Gitarre spielen kann. Und ich mach‘ den Rest.
Schreibst du die Ideen dann auf oder singst du sie den Musikern vor oder wie?
Ich programmiere. Mit Cubase zum Beispiel. Dann spiele ich es den Leuten vor, die sagen dann: Zu schnell. Zu langsam. Andere Tonart. Dann ärgere ich mich irrsinnig, weil ich ganze Spuren ändern muss. Beim Bruckmayr war es so, dass ich nur die Playbacks gemacht habe und der Didi hat sich den Gesang selbst überlegt. Er hat was gesungen, der Potuznik und ich haben es „umgeschnitten“ und daraus dann etwas gemacht. Und der Alex Jöchtl hat’s in Linz dann gemischt.
Wie lange dauert es ungefähr, bis ein Lied fertig ist?
Boah. Also im Fall Bruckmayr ewig, weil wir im Kreis produziert haben. Vor allem haben wir alle unterschiedliche, nicht kompatible Programme benutzt. So haben wir mit Audio-Files gearbeitet und ewig herumgemacht. Bei Depeche Ambros geht´s wesentlich schneller. Ich brauche zum programmieren ja nicht lange. In zwei Tagen bin ich fertig. Was ich nicht leiden kann ist, den Gesang aufzunehmen. Es gibt nichts schlimmeres als Leute, die vor einem Mikrofon stehen und da rein singen. Das ist fürchterlich.
Ja, und das mit dem Buch. Das vorige Buch hat sich so ergeben: Um Geld zu verdienen habe ich Kolumnen geschrieben, so wie du Geschichten schreibst. Und die hab‘ ich gesammelt und irgendwann hab‘ ich gedacht: „Jetzt bring ich das als Buch, mit ein paar Zeichnungen zusammen, heraus“. Das ist offenbar so gut angekommen, dass der nächste Verlag mir dann schon ein Auftragswerk gab. Die haben mich angerufen, hatten schon den Titel und das Thema und meinten: „Herr Haipl, wollen’s ned was schreiben?“ So hat sich das zweite Buch ergeben. Eine Parodie auf diese Jakobsweg-Scheiße. Ich sollte Ortschaften suchen, die St.Jakob heißen. Ich meinte dann: „Aber zu Fuß mach ich das sicher nicht. Ich bin ja nicht mein eigener Feind.“ Mit der Bahn schon gar nicht, denn die meisten dieser Kaffs haben nicht einmal einen Bahnhof, und so sind wir dann mit einem Auto herumgefahren. Wir, meine damals schwangere Freundin und ich, haben Urlaub gemacht. Darum heißt unser Sohn jetzt auch Jakob.
Wie kam es eigentlich zum Projekt Depeche Ambros?
Das war so eine „b’soffene Partie“. Wir standen am Donaukanal, vor dem Flex, herum und haben lamentiert wie es sein kann, dass früher die Austropop-Sachen so „Arsch“ geklungen haben. Die haben sich ja nichts gedacht und haben irgendwelche Sachen reingeschrammelt, Keyboard-Sounds dazu und es wurde trotzdem Nummer 1 in der Ö3-Hitparade. Einfach sagenhaft. Und weil man heutzutage auf dem Computer schon einen besseren Sound zusammenbringt, haben wir beschlossen, die alten Austropop-Sachen so aufzunehmen, wie wir sie damals schon gerne gehört hätten. Und aus einem anfänglichen „Witz“, den ich einem FM4-Kollegen – der als Sänger mitmacht – erzählt habe, und dem Peter Pansky an der Gitarre, ist dieses Projekt dann schließlich entstanden.
Interview: Petra Ortner
Clemens Haipl im Internet:
www.clemenshaipl.at
www.myspace.com/clemenshaipl
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